Status
Mrz 20th, 2010 | By Anja | Category: Allgemein, CoachingKeith Johnstone, der Erfinder des Theatersports, widmet sich in seinem Buch “Improvisation und das Theater” ein Kapitel lang dem Status. Er behauptet, dass jede Bewegung und jeder Tonfall Status vermittelt und dass es keine zufälligen bzw. grundlosen Handlungen gibt. Wir spielen konstant Statusspiele, heben unseren Status etwas über den des anderen, oder senken ihn. Das geschiehlt alles auf einer unbewussten Ebene, zumindest meistens. Ein normales Gespräch könnte man sich auch wie eine Status – Wippe vorstellen, mal ist der Eine oben und dann wieder der Andere. Es gibt aber auch viele Situationen oder Menschen, die primär in einem Status gefangen sind, dem Hoch- oder Tiefstatus. Keith Johnstone erklärt das Phenomen des Status schön an dem Beispiel von drei Lehrern, an die er sich aus seiner Kindheit erinnert: “Ich erinnere mich an einen Lehrer, den wir mochten, der aber die Disziplin nicht aufrecht erhalten konnte. (…) Ein anderer Lehrer war allgemein unbeliebt, er strafte nie und führte trotzdem ein unbarmherziges Regime. Auf der Straße lief er zielstrebig ausschreitend, die Leute mit Blicken durchbohrend. (…) Der dritte Lehrer, der sehr beliebt war, strafte nie und hielt dennoch die Disziplin ausgezeichnet aufrecht. Er trieb Späße mit uns und stelllte gleich darauf auf unerklärliche Weise die Ruhe wieder her. Auf der Straße ging er aufrecht, doch locker und er lächelte oft. Ich habe viel über diese drei Lehrer nachgedacht, konnte jedoch nicht herausfinden, welche Kräfte da auf uns eingewirkt hatten. Heute glaube ich, daß der unfähige Lehrer Tiefstatus spielte: Er war nervös, machte viele unnötige Bewegungen, lief beim kleinsten Ärger rot an und wirkte im Klassenzimmer immer wie ein Eindringling. Der Lehrer, vor dem wir Angst hatten, war ein zwanghafter Hochstatus-Spieler. Der dritte war ein Status-Experte, mit großem Geschick hob oder senkte er seinen Status. Der Spaß, den es Schülern macht, ungezogen zu sein, rührt zum Teil daher, daß sie damit beim Lehrer Veränderungen des Status bewirken. Alle Streiche dienen dazu, den Status des Lehrers herabzusetzen. Der dritte Lehrer wurde mit jeder Situation leicht fertig, weil er zunächst seinen Status veränderte.” Ich kann sofort nachvollziehen was Johnstone meint, denn solche Lehrer hatte ich auch, wahrscheinlich jeder. Status teilt sich viel über die Körperhaltung und Gestik mit. Der ausgeprägte Hoch – als auch Tiefstatus-Spieler, ist in einem Verteidigungsmechanismus gefangen, der eine echte Begegnung verhindert. Nur, wer, wie der dritte Lehrer, mit dem Status spielen kann, ist wirklich für seine Umwelt offen. Der Hochstatus-Spieler vermittelt: “Komm mir nicht näher. Ich beiße.” Der Tiefstatus- Spieler: “Beiß mich nicht, ich bin der Mühe nicht wert.”
Hier ein paar Beispiele zum ausprobieren:
Hochstatus: Kopf ruhig halten beim Reden
Tiefstatus: Kopf wackelt beim Reden
Hochstatus: Geschmeidige Bewegung
Tiefstatus: Ruckartige Bewegung
Tiefstatus: Hände vor das Gesicht
Hochstatus: Hände weg vom Gesicht
Tiefstatus: Füße nach innen – Tiefstatus
Hochstatus: Zurücklehnen und breit machen
Hochstatus: Blick halten, oder ganz ignorieren
Tiefstatus: Blick hin und wieder zurück
Hochstatus: Langes ” Äh” beim Reden
Tiefstatus: Kurzes “Äh” beim Reden


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