Presse – Performance
Phoenixhof “Vorsicht Farbe!” – ein Theaterstück für einen Malermeister
Fast erotisch und ökologisch unbedenklich HAMBURG – Welche Alternative gibt es zu drögen Powerpoint-Präsentationen, rechthaberischem Ökogetue und Al-Gore-Belehrungsvorträgen?, hat sich der Hamburger Malermeister Sven Dethlefsen gefragt. Dann traf er vor einem halben Jahr die Autorin und Schauspielerin Anja Kersten, die auf einer Vernissage zu einzelnen Bildern kleine Performances spielte. Am Ende des Abends stand Kersten da, in der Hand einen Zettel mit drei Stichwörtern: Ökologie, Baubiologie und subjektive Gesundheit. Das sind die Themen, um die Dethlefsens Arbeit größtenteils kreist – und die er seinen Kunden näherbringen will. Eine Herausforderung für Kersten, aber kein Problem: “Wenn es mir an irgendwas nicht mangelt, dann sind das Ideen”, sagt die 35-Jährige. Aus den Stichwörtern entstanden drei Theaterstücke mit unterschiedlichem Genre, die heute in Dethlefsens Showroom im Ottenser Phoenixhof aufgeführt werden. “Vorsicht Farbe!” ist der Titel des rund einstündigen Programms, das Dethlefsens Arbeitsalltag zuspitzt und pointiert: Mal werden extraordinäre Kundinnenwünsche persifliert (Wandbemalung im ökologisch korrekten Art-nouveau-Style), mal gibt die Ökoexpertin Lillie von Lichtenfels in ihrer Fernsehshow “Gesund leben – gewusst wie” Tipps für ein besseres Sexleben dank umweltverträglicher Farben. Außerdem gibt es eine Performance ohne Worte, “fast erotisch”, sagt Dethlefsen. Sämtliche Rollen werden von Kersten und Dethlefsen gespielt, der unbedingt wieder auf die Bühne wollte. 20 Jahre ist es her, dass er mit seinem Kontrabass aufgetreten ist, seitdem ist er selbstständiger Malermeister. Einer, der Latexfarben verschmäht und stattdessen mit allergieverträglichen Naturprodukten arbeitet. “Aber jetzt zieht es mich wieder auf die Bühne”, sagt Dethlefsen. “Ich brauche den Kick.” Doch mehr als um den Kick geht es darum, auf seine Arbeit mit ökologischen Farben aufmerksam zu machen. “Wenn ich Dinge wie Feng Shui oder atmungsaktive Substanzen mit erhobenem Zeigefinger präsentiere, kommen nur die Leute, die das sowieso alles wissen”, meint Dethlefsen. Schließlich ist auch das Sinn des Abends: neue Kunden zu gewinnen. Also weg von der Vertretermasche, hin zu einer Vorstellung, die neugierig auf die Paarung von Wohnen und Ökologie macht. Für Anja Kersten ist es das erste Mal, dass sie jemandem ein Stück auf den Leib geschrieben hat. Aber die Idee gefällt ihr: “Viele Leute wissen um ihre Inhalte, aber nicht, wie sie sie transportieren können”, sagt sie. “Da komme ich ins Spiel!” Warum auch nicht: Die eigene Arbeit, das eigene Leben auf die Bühne bringen. jac erschienen am 12. September 2007


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