Begegnungen
Okt 16th, 2009 | By Anja | Category: Allgemein, ProjekteIch sitze im Cafe Carlos in Ottensen und schreibe über die Schlange und auf einmal steht eine Frau ganz dicht an mir dran und fragt ob ich einen Job für sie hätte, zum putzen. Ich sage unsere Wohnung ist zu klein. Auf einmal fängt die Frau, wie ein Wasserfall an zu reden und schaut mir dabei auf hypnotische Art und Weise in die Augen. Ich sei ein sehr liebevoller und ehrlicher Mensch, aber ich hätte eine Menge Wut in mir und sei voller Blockaden. Sie sei von Gott geschickt um mir die Wahrheit zu sagen. Eben habe ich noch von der Schlange, die mir in die Augen schaut geschrieben und da ist sie. Ist das ein Zufall oder ein Wink des Schicksals? Ich weiss es nicht, aber es ist irgendwie faszinierend und unheimlich zugleich. Sie sagt, sie könne mir die Wahrheit sagen und ob ich im Beruf oder in der Liebe so verletzt worden sei. Es würde nur 20 Euro kosten. Sie ist hartnäckig, lässt nicht locker. Ich sage nicht jetzt. Sie fragt, ob ich öfter im Cafe bin und nachdem ich das bejahe, löst sie sich endlich von mir und verschwindet genauso lautlos und unauffällig wie sie gekommen ist. Ich bleibe zurück, hyponitisiert. Die Schlange war da.
Wieder bin ich zum Schreiben in ein Cafe gegangen. Dieses Mal ins Knut. Ich sitze ganz hinten und fange an über meinen Kampf mit dem Stier zu schreiben, der auch schon Elemente der Komik aufzuweisen hat. Neben mich setzt sich ein älterer Mann, mit sehr markanten Gesichtszügen. Nach einer Weile spricht er mich an und fragt, was ich da schreibe. Ich erzähle ihm, dass ich aus meinen alten Geschichten etwas Neues schreibe. Er fängt an zu erzählen, dass er englische Literatur studiert hat und in England auch gelebt hat und das ihm dort „Das Wissen“ begegnet sei. Ein Weg zum inneren Selbst, jenseits von Religion. Dieser Mann erzählt immer weiter, obwohl ich ihn doch gar nicht gefragt hatte. Schon komisch, dass er das einfach so erzählt. Hat das nun wieder etwas mit dem Stier, der nach Freiheit schreit, zu tun? Der Mann erzählt weiter, dass ein Boris Becker noch so viel machen kann und deswegen immer noch nicht glücklich wird. Und dass es ein Irrglaube sei hier im Leben die Hölle zu erleben und dann zu erwarten, dass sich danach der Himmel auftue. Es ginge darum jetzt glücklich zu sein und da hätten ihm diese Techniken geholfen. Das sei jetzt 34 Jahre her, dass er diesem Lehrer damals in London begegnet ist, jetzt übersetzt er ihn simultan oft. Ich frage nach, wer denn dieser Lehrer sei. Er heisse Prem Rawat und lebe in Amerika, hält aber überall auf der Welt Vorträge, die alle kostenfrei sind, weil er meint, dass „das Wissen“ ubezahlbar ist. Der Mann zückt seine Visitenkarte und schreibt den Namen von Prem Rawat und die Homepage von seiner Organisation auf, die „Words of Peace“ heisst. Auf der Visitenkarte steht “Berg Reinigungsservice”.
Und während ich dies hier schreibe geht mir auf, dass bei der ersten Begegnung eine Frau bei mir putzen wollte und dann auf einmal in ganz andere Gefilde umschwenkte und bei der zweiten Begegnung ein Mann mir von dem Selbst erzählt und mir seine Visitenkarte dann enthült, dass er anscheinend einen Reinigungsservice betreibt.
Hallo, was ist hier eigentlich los? Und was hat das mit den „Anderswelten“ zu tun?

